
Es ist ein schöner Gedanke: Man nutzt die Kraft der Sonne direkt auf dem eigenen Balkon, produziert grünen Strom und macht etwas für die Umwelt. Doch genau hier lauert eine digitale Gefahr, die viele Besitzer ihrer „Balkonkraftwerke“ im Moment vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm haben.
Ein offenes Schloss für jeden Hacker
Eine aktuelle Untersuchung hat ein beunruhigendes Problem ans Licht gebracht: Ein Großteil der in Deutschland verbauten Geräte des Herstellers Hoymiles weist eine kritische Sicherheitslücke auf. Das Problem ist fast schon banal, aber fatal: Die Seriennummern der Geräte – die gleichzeitig als Passwort fungieren – können per Funk ausgelesen werden.
Stellen Sie sich das so vor: Der Schlüssel zu Ihrer Anlage liegt quasi im Schloss und ist für jeden mit dem richtigen Empfänger frei zugänglich. Ein Angreifer könnte Ihre Anlage aus der Ferne ein- und ausschalten oder, was noch schlimmer ist, die Hardware gezielt beschädigen.
Ein Problem in Dimensionen
Die Zahlen sind alarmierend. In Deutschland sind rund 1,4 Millionen dieser kleinen Solaranlagen registriert. Da ein Großteil der Wechselrichter von Hoymiles stammt, betrifft das eine riesige Anzahl an Haushalten. Experten des Chaos Computer Clubs (CCC) konnten bereits innerhalb einer einzigen Stunde 42 ungeschützte Anlagen im Testgebiet identifizieren.
Die Warnung vor dem Systemzusammenbruch
Was auf dem eigenen Balkon beginnt, kann weitreichende Folgen haben. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt eindringlich davor: Wenn massenhaft Geräte aus derselben Produktion manipuliert werden könnten, könnte dies theoretisch sogar das europäische Verbundnetz gefährden. Es ist ein Paradebeispiel dafür, dass moderne Infrastruktur nicht erst in riesigen Kraftwerken beginnt, sondern bereits direkt vor unserer Haustür.
Was Sie jetzt tun können
Die gute Nachricht: Hilfe ist auf dem Weg. Der Hersteller hat nach dem Druck durch Behörden und Experten ein Sicherheitsupdate angekündigt, das für Mitte Oktober verfügbar sein soll.
Aber Achtung: Da diese Geräte normalerweise nicht ständig mit dem Internet verbunden sind, wird das Update nicht automatisch „über die Luft“ installiert. Nutzer müssen aktiv werden und das Update manuell auf ihren Geräten einspielen. Es lohnt sich also, die Ankündigung im Auge zu behalten und für die eigene Sicherheit am Balkon vorzusorgen.
Quelle: Berichterstattung von DIE ZEIT.
Bildquellen:
- Gefahr-Hacker-Solaranlagen: Ki-generiert, Auerbach Verlag












