Fußball futuristisch – so sehen die Stadien der Zukunft aus

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Fußball ist nach wie vor der beliebteste Sport der Deutschen. Wenngleich die vergangenen zwölf Monate eine Herausforderung für die Fans waren live bei den Events dabei zu sein, nahmen die Zahlen der Zuschauer von TV-Übertragungen und Streaming-Diensten über die vergangenen Jahre stetig zu.

Natürlich wächst damit auch die Forderung nach größeren und moderneren Stadien, zumal dadurch in der Zukunft höhere Einnahmequellen zu erwarten sind. Viele europäischen Vereine planen die Renovierung oder gar den kompletten Neubau ihrer Stadien, die derzeit den internationalen in Größe und Zuschauerplätzen oftmals nachstehen. Die Pläne sind dabei absolut faszinierend, was Ausmaße, Design und Ausstattung betrifft.

Die Zuschauerzahlen bei Bundesligaspielen zeigen einen deutlichen Trend: Verzeichnete die Saison 200/2001 noch ein Publikum von knapp 8,7 Millionen, waren es 2017/2018 bereits knapp 13.5 Millionen. 2020 zählte der FC Bayern in der 1. Bundesliga allein 293.000 Vereinsmitglieder, 358.000 Fanclub-Mitglieder und fast 4.500 Fanclubs. Bereits 2015 galt Bayern München als mitgliederstärkster Klub der Welt, damals mit rund 250.000 offiziellen Mitgliedern – ein Vorsprung, der sich seitdem deutlich ausgebaut hat.

Interaktives Spielerlebnis

Die Fans sind zudem immer engagierter mit dabei, sei es live im Stadion, vor dem TV oder inzwischen besonders interaktiv über Live Wetten, die das Spielerlebnis noch spannender machen, da der Erfolg der eigenen Mannschaft eben auch mit dem Reiz finanzieller Gewinne verbunden sein kann. Viele Stadien existieren natürlich bereits seit vielen Jahrzehnten und stehen den ultramodernen Bauten wie den gigantischen Football- und Basketballstadien in den USA um Einiges nach. Neue Forderungen nach LED-Technologie, verbessertem Rundumblick aufs Spielgeschehen aber auch neue Einnahmemöglichkeiten wie Shopping-Meilen, veranlassen viele Vereine zur Renovierung oder einem kompletten Neubau.

Für Begeisterung sorgt derzeit beispielsweise die Erneuerung des Heimeisstadions von Real Madrid. 500 Millionen Euro soll der Bau des Estadio Santiago Bernabeu 2.0 kosten, der bereits im April 2019 begann und 2024 abgeschlossen sein sollte, wobei derzeit mit Verzögerungen bis 2025 gerechnet wird.  Neben futuristischer Architektur ist eine High-Tech Arena geplant, einschließlich einer 360-Grad Videoleinwand im Stadion wie auch einer gigantischen Videoleinwand an der Außenfassade. Bisher finden rund 81.000 Zuschauer darin Platz, die Kapazität soll zwar gleich bleiben, das Stadion selbst wird jedoch höher emporragen und weitaus anpassungsfähiger sein. Geplant ist beispielsweise ein Kunstrasen unter dem Stadionrasen für American Football, sowie eine Shopping-Mall. Besonders ökologisch: der Fußballrasen soll sich binnen weniger Minuten entfernen und in einem eigenen klimatisierten Gewächshaus lagern lassen. Derzeit stehen die Namensrechte für den Neubau der Estadio Bernabeu noch zum Kauf – ein wichtiger Schachzug natürlich, um die Kosten für den Stadionbau zu reduzieren.

Gleiches gilt für Madrid-Gegner Barcelona. Das Camp Nou gilt mit über 99.000 Sitzplätzen bereits als das drittgrößte Fußballstadion der Welt, nach Pjöngjang in Nordkorea mit 114.000 Plätzen auf Platz eins und Melbourne Cricket Ground mit 100.024 Plätzen auf Platz zwei. Nach dem Neubau wird Camp Nou 105.000 Sitzplätze bieten und damit das zweitgrößte Fußballstadion werden. 

Klimaneutrales Stadion

Auch der FC Mailand bekommt ein neues, modernes Stadion, bei dem vor allem die ökologische Nachhaltigkeit zentrale Bedeutung spielt. Giuseppe Meazza soll zu einem gigantischen Sportkomplex auf 106.000 Quadratmetern werden, der Umbau eine Milliarde Euro kosten – konkrete Pläne werden derzeit jedoch noch ausgearbeitet. Die Hälfte der Fläche soll begrünt, das Stadium zudem klimaneutral gebaut und zu 100 Prozent aus eigenen Wasserspeichern bedient werden. Die gesamte Anlage wird mehr als nur Fußball bieten, Spazier- und Fahrradwege, einen Skatepark und sogar Museen umfassen.

Der FC Florenz zieht nach – mit Plänen für eine ebenfalls hochmoderne Arena, mit luftigem Design aus Glas und Stahl, wobei auf Ecken und Kanten komplett verzichtet werden soll. Fiorentina wird dabei eine anspruchsvolle VIP-Lounge mit riesigen Glasfronten erhalten, in der man sich wie direkt auf dem Spielfeld und mit ins Spielgeschehen eingebunden fühlt. 

Besonders spannend und außergewöhnlich sind die Pläne für das neue Heimatstadion des FC Bologna, die voraussichtlich 2022 beginnen sollen. Geplant ist ein attraktiver Mix aus Tradition und Moderne, wobei die Baupläne vorsehen Teile der alten Fassade, wie auch das Marathon-Tor aus Mussolini-Zeiten zu erhalten, jedoch mit futuristischen Elementen wie einem gigantischen Glasdach zu ergänzen. Geplant ist zudem eine Dachterrasse mit Restaurants sowie besonders attraktive VIP-Bereiche. 

Auch Chelsea sollte ein neues Stadium bekommen, das Altes mit Neuem verbindet. Die neue Stamford Bridge wurde 2017 von London bereits offiziell genehmigt. Die Bridge sollte dabei wie eine mittelalterliche Burg wirken, mit Säulen und Bögen, die an eine Kathedrale erinnern, jedoch ebenfalls mit modernen Bauelementen und heller Beleuchtung. Das Projekt wurde allerdings 2018 auf Eis gelegt und bisher nicht wieder aufgenommen. 

Der Neubau für das Stadion von Liverpool Everton ist hingegen bereits abgesegnet und soll 580 Millionen Euro kosten. Direkt am Bramley-Moore Dock, an der Flussmündung in die Irische See wird es erbaut, mit einer Kapazität von 52.888 Zuschauerplätzen und der Option auf 62.000 zu erweitern. 

Auf internationaler Ebene verdient das neue Stadionprojekt im chinesischen Guangzhou Erwähnung, neuer Heimspielort für den dortigen Erstligisten Guangzhou Evergrande FC. Der Bau hat bereits begonnen und soll 2020 abgeschlossen werden, mit Kosten in Höhe von 1,7 Milliarden US-Dollar. 100.000 Zuschauer sollen darin Platz finden, eine hundertprozentige Erweiterung des aktuellen Platzangebots für 50.000 Fans. Das Design ist ebenso ambitioniert wie viel diskutiert – das Stadion wird in seiner Form an eine Lotusblüte erinnern, was einerseits von Architekten als überkommen kritisiert, gleichzeitig jedoch als Repräsentation chinesischer Kultur gelobt wird.