Testerfahrungen

Im Praxistest machte die Anlage einen guten Eindruck. Die Komponenten lösten zuverlässig aus und je nach Konfiguration klappte auch die Verzögerung einwandfrei. Sabotage erkennt das System zuverlässig und meldet beispielsweise eine Unterbrechung der Internetverbindung. Bezüglich unserer Kritik zur möglichen Manipulation der Basis gibt es allerdings nicht viel Neues. Im (zugegeben) seltenen Fall ist es möglich, die Anlage außer Gefecht zu setzen, ohne dass eine Alarmmeldung erfolgt. Wir möchten dieses Szenario zum Schutz vor Nachahmern allerdings nicht weiter ausführen. Sicherlich ist es von großer Bedeutung, die Basis möglichst versteckt oder schlecht erreichbar anzubrigen. Außerdem empfehlen wir die unverzögerte Absicherung des Raumes, wo sich die Basis befindet. Damit kann das Manipulationsrisiko am System auf ein verträgliches Minimum reduziert werden.

Außensirene

Diesmal haben wir zum eigentlichen Grundsystem noch weitere Komponenten hinzugefügt. Die wohl sinnvollste und am empfehlenswerteste Erweiterung ist dabei zweifellos die Außensirene. Ohnehin wird von Versicherungen oftmals verlangt, dass Basis und (zusätzliche) Sirene an verschiedenen Orten montiert werden soll. Die Außensirene ist zwar aus Plastik, macht aber einen stabilen und wertigen Eindruck. Wir haben diese so montiert, dass sie von der Straßenseite gut zu sehen ist. Das wird von Egardia auch empfohlen. Ein weithin sichtbarer orangener Aufdruck „Egardia“ weist auf das installierte Sicherheitssystem hin. Wem das nicht gefällt, der kann beim Anbieter auch eine neutrale Abdeckung ohne Aufdruck nachbestellen.

Außensirene von Egardia

Unsere Hauswand zur Straße ist übrigens die Wetterseite. Der Langzeittest wird also unter erschwerten Bedingungen zeigen, wie das System mit den hiesigen Witterungsbedingungen zurechtkommt. Vor der Montage muss die Sirene aber noch am System angelernt werden, was aber simpel und dank der Kurzanleitung schnell erledigt ist. Anschließend wird die Komponente mittels der mitgelieferten Schrauben und Dübel befestigt. Auch ein Aufhängen an einer Schraube wäre möglich. Wir entscheiden uns aber für die feste Montage. Ein eingebauter Manipulationsalarm signalisiert dabei unbefugtes Öffnen oder Entfernen. Vor der Montage sollte dieser über das Online-Portal temporär deaktiviert werden. Ist alles befestigt und aktiviert, verhält sich die Außensirene genauso wie die Sirene in der Basisstation. Das bedeutet allerdings auch, dass die Außensirene bei Stummschaltung der Basis ebenfalls kein Signal mehr abgibt. Nicht einmal ein Blinken der eingebauten hellen LEDs würde in diesem Fall mehr auf einen Alarm hinweisen. Das finden wir Schade. Gewünscht hätten wir uns eine separate Steuermöglichkeit inklusive der Variante eines „stummen Alarms“ über die Außensirene. Aber vielleicht bessert Egardia hier ja noch nach. Einstellbar ist aber, ob die Außensirene Quittungstöne beim Scharf- und Abschalten abgibt und auch die Verzögerungssignalisierung lässt sich auf Wunsch aufschalten. Was die eigentliche Signalisierung angeht, so alarmiert die Sirene ebenfalls mit 104 dB, was in der Nachbarschaft eines dichter besiedelten Ortes auf jeden Fall wahrgenommen wird. Die Stromversorgung erfolgt über eingebaute Batterien (4x LR20), die laut Egardia eine Betriebsdauer von 1 bis 3 Jahren haben. Dies ist abhängig von der Anzahl und Dauer der Alarmsituationen. Ein Wechsel der Batterien ist auch für Laien problemlos möglich. Für 99 Euro Kaufpreis ist die Außensirene eine ausgesprochen sinnvolle Investition und wird von uns ausdrücklich empfohlen. Übrigens liegt der Sirene nur eine Kurzanleitung bei. Auf der Homepage von Egardia lässt sich eine komplette Bedienungsanleitung herunterladen. Hier werden unter anderem auch die DIP-Schalter in der Sirene erklärt, die beispielsweise die Alarmdauer bei einer Einbruchsmeldung beeinflussen können.

Kohlenmonoxidmelder

Nicht erst seit dem tödlichen Unfall von vier Jugendlichen in Bayern wird wieder in den Medien über die tödliche Gefahr von Kohlenmonoxidvergiftungen diskutiert. Egardia hat hierfür eine praktische Lösung in Form eines Kohlenmonoxidmelders, der sich ebenfalls in das System integrieren lässt. Auf den ersten Blick erinnert der Sensor an die bekannten Rauchmelder. Allerdings reagiert dieses System auf das heimtückische Gas, welches bei falscher Verbrennung von Feststoffen aber auch Öl und Gas entstehen kann. Das Anlernen geschieht nach der bereits bekannten Methode. Auch dieser Komponente liegt nur eine Kurzbedienungsanleitung bei, was wir aus Sicherheitsgründen an dieser Stelle kritisieren. Denn zur korrekten Funktion und zur Vermeidung von Fehlalarmen ist der richtige Montageort von elementarer Bedeutung. Dies wird aber nur in der online abrufbaren Anleitung beschrieben. Besser wäre es auf jeden Fall, diese Hinweise mit beizulegen. Einstellungen können übrigens nicht vorgenommen werden, was ausdrücklich positiv anzumerken ist. So wird vermieden, dass bei einer lebensrettenden Komponente ein Alarm durch Fehleinstellungen ausbleibt. Sehr gut: Der Melder funktioniert auch bei kompletten Stromausfall oder abgeschalteter Basisstation dank eingebauter Sirene. Wir haben den Melder übrigens in der Nähe unserer Ölheizung montiert. Denn nicht nur defekte Kamine oder Öfen, sondern auch Heizungen können eine gefährliche Konzentration Kohlenmonoxid in die Atemluft abgeben.

Glasbruchmelder

Unsere letzte Komponente ist ein Glasbruchmelder. Dieses nützliche Gerät kann einen ganzen Raum überwachen und reagiert auf zerberstende Glasscheiben. Ein versehentlich herunterfallendes Trinkgefäß oder eine Flasche löst den Sensor hingegen nicht aus. Nach der Anmeldung wird dieser Sensor mit Sichtverbindung zur Fensterfront montiert.

Er kann entweder angeschraubt oder mittels Klebepad befestigt werden. Auch der Glasbruchmelder lässt sich systemseitig nicht konfigurieren, sondern reagiert unabhängig vom Status der Gesamtanlage. Die Funktionskontrolle gestaltet sich etwas schwierig, sofern man nicht testweise sein Fenster zerstören möchte. Zwar gibt es eine Art Klatschtest, der allerdings kann natürlich nicht das Zerbersten einer Scheibe simulieren. In der App des Mitbewerbers Panasonic gibt es ein Audiofile, welches eine zerberstende Glasscheibe ausgibt. Damit wollten wir auch den Glasbruchmelder von Egardia auf Funktion testen, was allerdings nicht funktionierte. So können wir uns nur darauf verlassen, dass der Sensor im Falle des Falles anspricht.

Komfortsteuerung

Wie die Vorgängeranlage erlaubt auch dieses System nur sehr rudimentär die Nutzung von Smart-Home-Komponenten. Genau genommen lassen sich nach wie vor nur zwei Dinge anmelden: Eine Schaltsteckdose „Pfiffiger Stecker“ genannt und ein Heizkörperthermostat. Letzteres ist uns nicht unbekannt. Bauform und Funktionen erinnern an den Thermostat von Danfos, der beispielsweise auch als Z-Wave-Komponente von Devolo auf dem Markt ist. Der Pfiffige Stecker hingegen ist Zigbee-Kompatibel und lässt sich ebenso in das System einbinden. Dann sind diverse Schaltregeln programmierbar oder der Stecker lässt sich über die App von Egarida Aus- und Einschalten. Das funktioniert sehr gut, reicht aber für tiefergehende Smart-Home-Anwendungen leider nicht raus. Unsere Hoffnung ist allerdings, dass Egardia diesen Bereich sukzessiv noch ausbaut und weitere Komponenten einbindet, was grundsätzlich mit dem verwendeten System denkbar wäre. Den Bereich der Kameraüberwachung haben wir im Test vorerst nicht behandelt, da uns hierzu kein Testmuster vorlag. Möglicherweise werden wir das zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.

Fazit

Vor einem knappen Jahr hatten wir den Vorgänger des Alarmsystems im Test und ernteten ob der Kritik an den Manipulationsmöglichkeiten und dem kostenpflichtigen Sicherheitsdienst vom Hersteller nicht unbedingt Lob. Dennoch wollen wir unsere Tests immer objektiv durchführen und dazu zählt nun mal auch das Aufzählen von Schwachstellen. Das tun wir auch weiterhin und bei jedem Anbieter. Im Falle von Egardia ist es aus unserer Sicht auf jeden Fall ein Fortschritt, dass sich der Nutzer nun zwischen einer kostenlosen Basisversion und dem kostenpflichtigen Sicherheitsdienst entscheiden kann. Nach wie vor problematisch sehen wir die Manipulationsmöglichkeiten der Basis. Hier empfehlen wir Nachbesserung bei künftigen Systemen. Mit einem Blick auf andere Hersteller ist aber auch festzustellen, dass dies bei weitem nicht nur ein Problem von Egardia ist. Deshalb sollte die Basis immer schlecht erreichbar, versteckt und ggf. abgesichert mit einem eigenen sofort auslösenden Sensor betrieben werden. Ansonsten aber sprechen wir eine Empfehlung für die Anlage an alle Nutzer aus, die ein einfach zu bedienendes und leicht installierbares Plug&Play-System suchen. Und auch in Punkto Betriebssicherheit können wir Egardia ein durchaus sehr gutes Zeugnis ausstellen. Im Praxisbetrieb stellten wir keine nennenswerten Probleme fest und die Anlage funktionierte stets ohne Ausfälle und Fehlalarmierungen.

 

 

Bildquellen:

  • mde: © Mike Bauerfeind/Auerbach Verlag
  • mde: © Mike Bauerfeind/Auerbach Verlag
  • Relax-Home-Woman2: © Egardia B. V.